Zu schnell

Was ich jetzt eigentlich am liebsten schreiben würde, ist: Hey, lieber Leser – mir geht’s wieder gut, ich bin zurück aus meiner erschöpfung bedingten Abwesenheit und arbeite wie gewohnt. Entsprechend würde das dann wieder ein Blog-Beitrag im gewohnten Stil werden: Herausforderungen, Hochs und Tiefs rund ums Projektmanagement.

Nun, die Realität sieht anders aus. Ja, ich bin zwar zurück und arbeite wieder Teilzeit. Ja, ich habe viele meiner bestehenden Projekte und Kunden wieder übernommen und fühle mich wohl dabei. Gleichzeitig merke ich, es ist eben doch noch nicht alles gleich wie früher.

Exemplarisch zeigt mir dies die Situation, in der mir angeboten wurde, ein grösseres Projekt zu übernehmen. Es tönte spannend und eigentlich genau so, wie ich Projekte mag. Früher hätte ich da vermutlich mit Respekt, aber ohne viel zu überlegen zugesagt, im Wissen, ich schaffe das. Früher. Denn bei der Projektbeschreibung sind Worte gefallen wie zum Beispiel ‚wichtiges Projekt‘ oder ‚Management-Attention‘ – ähnliche Charakteristiken wie bei dem Projekt, das mein ‚Fass‘ zum Überlaufen gebracht hat. Und plötzlich nahm ich Gefahr wahr, plötzlich war Widerstand spürbar, Unsicherheit, ja Angst, wieder zu versagen und dem Druck nicht gewachsen zu sein.

Und so habe ich in den letzten Wochen bereits zwei Arztbesuche wieder erwarten doch nicht abgesagt, sondern wahrgenommen. Und anstelle wieder Vollzeit zu arbeiten, erhöhe ich langsam, schrittweise mein Pensum.

Langsam. Kann ich schlecht. Das beginnt privat mit meiner nie leeren Todo-Liste. Da ist bei mir oft ein innerer Drang, in einem verfügbaren Zeitslot so viele Tasks wie möglich durchgetaktet zu erledigen. Bedeutet zum Beispiel, dass wenn ich zur Recycling Sammelstelle gehe, danach zurück renne um 2 Minuten zu sparen, um dann noch die Waschmaschine füllen und starten zu können. Anstelle von langsam zurücklaufen und die Natur zu geniessen. Oder es bedeutet, dass ich während dem Scanvorgang meiner Dokumente nicht einfach kurz innehalte und aus dem Fenster schaue, sondern parallel gleich den nächsten Task beginne und zum Beispiel eine Kleider-Rücksendung aufgebe.

Und genau so habe ich begonnen, meine Genesung zu behandeln. Wollte schnell und mit möglichst wenigen Lücken wieder Gas geben. Zu schnell. Nun lerne ich Langsamkeit, indem ich auf meinen Körper und seine Signale höre und dank Menschen in meinem Umfeld, die mich sehen und ermutigen zu Geduld und kleinen Schritten. Wertvoll.

Wo ist es für dich daran, einen Gang zurückzuschalten und Langsamkeit zuzulassen?

I

  • Michael Lutz

    IT Projektleiter bei der isolutions AG. Begeistert von Menschen und Technik.


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