Arbeitest du noch oder lebst du schon?
Kultur

Arbeitest du noch oder lebst du schon?


Wie priorisierst du Arbeit und warum? Hier drei konkrete Beispiele aus meinem Arbeitsleben, die mich dazu gebracht haben, meine Einstellung zur Work-Life-Balance zu reflektieren und bewusst zu machen.

Situation: Ich gehe um 15:30 aus dem Büro. Mein Kollege sagt: «Gehst du schon?»
Meine Gedanken: Ich sage dir aber auch nicht: «Kommst du erst?» Beide Aussagen haben meiner Meinung nach keinen Platz. Wieso soll die Zeit, in der ich das Büro verlasse oder ins Büro komme, definieren, ob ich genug gearbeitet habe? Arbeit erkennt man am Resultat, nicht an Präsenzzeit in einem Büro.

Situation: Ein Meeting, an dem ich teilnehme, dauert bereits eine Stunde länger als angesagt, es ist 18:00. Ich informiere die Teilnehmer, dass ich das Abendessen für die Kinder vorbereiten muss. Ein Teilnehmer meint: «Du weisst schon, dass man das auch bestellen kann?».
Meine Gedanken: Ein Meeting «aufopfernd zu verlängern», ist für mich keine gesunde Arbeitshaltung. Es zeigt eher, dass das Meeting schlecht organisiert ist oder/und nicht gut genug moderiert wird. Kommentare, die mir daraufhin suggerieren, dass die Zeit für meine Kinder weniger wichtig ist als Arbeit, finde ich zusätzlich schwierig. Wieso soll dies so sein? Wichtig sind Menschen und Beziehungen. Hat dies im Arbeit- wie im Privatleben erste Priorität, dann hat das automatisch positive Auswirkungen auf Arbeitsresultate. Und nicht nur in meinem Leben, sondern auch im Leben meines Gegenübers.

Situation: Auf meine Frage: «Hast du Ferien zwischen Weihnacht und Neujahr» erhalte ich die Antwort: «Also sagen wir es so, am 25. Dezember arbeite ich nicht».
Meine Gedanken: Ich frage mich, woher dieser meiner Meinung nach falsche Stolz kommt, dass man das Gefühl hat, man kann sich nicht aus der Arbeit rausnehmen. Oder warum man das auch angesichts von viel Arbeit nicht wollen würde. Wieso sollte es zum guten Ton gehören, keine Ferien zu machen und immer erreichbar zu sein? Immer ‚dran zu sein‘ bedeutet nicht automatisch Leistung. Das Gegenteil scheint mir der Fall. Nur ausgeruht ist Hochleistung und Leistung auf Dauer möglich. Die arbeitsfreie Zeit zahlt direkt ein auf die Effektivität und Effizient danach – und dadurch auf Resultate.

Arbeitest du noch, oder lebst du schon?

  • Michael Lutz

    IT Projektleiter bei der isolutions AG. Begeistert von Menschen und Technik.


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Kommentare

  • Marc
    Marc

    Marc

    Und einmal mehr ein toller Blog Post. Dieser hier regt speziell zum Nachdenken an.

    Das 2. Beispiel hat mich speziell getriggert. Erstens: das Meeting ist dann fertig, wenn die Zeit abgelaufen ist. Wenn alle verlängern können, ok, wenn nicht, auch ok.
    Zweitens: selbstgekochtes Essen ist bestimmt gesünder. Dazu kommt, dass die Vorbereitung des Essens gleichzeitig entschleunigend wirkt.
    Drittens: mit dieser zusätzlichen Stunde im letzten Meeting des Tages gewinnt man kaum etwas. Die Aufmerksamkeit ist nicht mehr dieselbe. Ich frage dann jeweils gerne, wie das wäre, wenn wir das nächste Mal ganz früh Morgens anfangen. Schliesslich scheint die Erwartungshaltung ja zu sein «du kannst ja mal etwas länger arbeiten». Fair, im Gegenzug kann ja mein Gegenüber auch mal etwas früher anfangen – nicht?