So schnell kann es gehen

Der Auftrag

Ein Arbeitskollege schreibt mir in Teams: Er habe gehört, dass ich ihm helfen könne, er brauche in einem Projekt jemanden, der Excel-Formeln bauen kann. Mein erster Gedanke: Ich vermeide eigentlich Excel, wo immer es geht. Aber ja, kann ich grundsätzlich tun – oder zumindest herausfinden, wie man das tun. Und entsprechend habe ich meine Hilfe angeboten.

Wenige Minuten später ein erster Call für mich zum Abschätzen, ob ich unterstützen kann. Mein Arbeitskollege war unter Zeitdruck und entsprechend hektisch, hatte nur wenig Zeit. Es war herausfordernd für mich, die Sachlage in wenigen Minuten zu verstehen und aus den Formulierungen meinen konkreten Auftrag abzuleiten. Aber es gab ein 5-seitiges Word-Dokument mit Anforderungen und zwei CSV-Dateien mit Rohdaten. Diese konnte mein Arbeitskollege mir während dem Call noch per E-Mail zustellen. Aber so richtig klar, was gemacht werden musste, war mir nach den 15 Minuten Anruf nicht.

Wie es jetzt klassisch auflaufen würde

Wir machen neue Meetings ab, bis ich den Sachverhalt und die Anforderungen inhaltlich verstanden habe. Diese werden in sinnvoller Form (z.B. User Stories) von mir dokumentiert und in einem Task Management System erfasst. Danach wird definiert, welche Fähigkeiten es braucht für die Umsetzung und gegebenenfalls entsprechende Anfragen gemacht intern, wer da jetzt technisch unterstützen kann. Danach wird die Umsetzung geschätzt, abgegrenzt undein Budget dafür beantragt. Dieses wird bewilligt und die Umsetzung danach zeitlich eingeplant. Aufgrund der Erwartung, dass bis maximal Ende Woche eine Lösung stehen muss, würde nur noch die Minimalvariante umgesetzt werden können durch einen Excel-Profi und einen Data-Engineer: das Resultat wäre ein Excel-Export mit den wichtigsten aufbereiteten Werten in Tabellenform und ohne Visualisierungen.
Fazit: 3-4 Tage Arbeit, Minimal-Umsetzung der Anforderungen in Form einer Excel-Datei mit den statistischen Daten in Tabellenform.

Wie es effektiv abgelaufen ist

Das Anforderungsdokument habe ich inhaltlich nicht versucht zu verstehen, es war mir zu unverständlich inhaltlich. Ich habe es direkt an meinen KI Arbeitskollegen übergeben (Microsoft Copilot), gemeinsam mit den CSV-Rohdaten. Mein Auftrag: Erstelle mir eine Beispiel-Auswertung der Anforderung XY im Word-Dokument. Als Resultat erhalte ich eine Tabelle inkl. Visualisierung, die ich durch meinen Arbeitskollegen, der mich beauftragt hat, validieren lasse. Seine Erwartungen sind übertroffen, ich habe das ‚go‘, weiterzumachen. Ich erhalte dann nochmals ein mehrseitiges Word-Dokument mit Zusatzanforderungen, die ebenfalls berücksichtigt werden sollen. Auch hier: ich habe mir nicht die Mühe gemacht, diese zu verstehen, sondern sie direkt an meinen KI Arbeitskollegen übergeben (dieses Mal Github Copilot), mit der Aufforderung, mir eine WebApp zu bauen. In einer halben Stunde steht das Resultat und der Auftrag ist damit erfüllt, bzw. übertroffen.
Fazit: Eine Stunde Arbeit, Maximal-Umsetzung aller Anforderungen in Form einer konfigurierbaren WebApp inkl. Visualisierungen und einer PDF-Exportfunktion.

Meine Schlussfolgerung

Ein Unterschied in Bezug auf das Vorgehen, der wie Tag und Nacht erscheint. Daraus lassen sich nun etliche Themen, Einsichten und Fragestellungen rausziehen, die alle in sich Potential für einen Blog-Beitrag oder eine Diskussion haben.

Für mich sticht hier aber vor allem die Auswirkungen des Resultats auf den Menschen heraus, konkret nämlich den Arbeitskollegen, der mir den Auftrag gegeben hat. Als ich ihm das Schlussresultat präsentierte, konnte ich richtig spüren, wie er auf atmete, der Druck abgefallen ist. Statt über die inhaltlichen Anforderungen sprechen zu müssen, war Hauptthema unseres Gesprächs unser aktuell gefühlter Stresspegel, die Geschichte meiner Erschöpfung und wie es ihm grad geht. Möglich, weil mein KI Arbeitskollege uns Luft zum Atmen gegeben hat, durch das Abnehmen der benötigten Umsetzung.

Ich war diesen Sommer arbeitsunfähig aufgrund einer Erschöpfung. Und symbolisch für die Zeit davor war, dass ich zu wenig Pausen hatte bzw. gemacht habe (es ist immer eine bewusste Entscheidung). Ich hätte oft auch ein ‚Gespräch an der Kaffeemaschine‘ gebraucht – mir die Zeit dafür aber nicht genommen, weil da ist ja Arbeit, die gemacht werden muss, da sind ja Termine, Erwartungen. Wie wertvoll es dann ist, Arbeit abgeben zu dürfen, wie wertvoll der Raum ist, der dadurch entsteht. Und wie wertvoll, dass heute neben dem Mensch auch die Technik das Potential hat, Raum für Begegnungen und Pausen zu schaffen.

Was unterstützt dich, Zeit zu gewinnen für Pausen?

  • Michael Lutz

    IT Projektleiter bei der isolutions AG. Begeistert von Menschen und Technik.


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