Du bist nicht alleine

Warum habe ich einen Blog? Wofür schreibe ich überhaupt regelmässig? Was treibt mich an, es auch dann zu machen, wenn ich, wie jetzt, eigentlich keine Musse dafür habe? Fragen, die irgendwie zum Jahreswechsel passen.

Ja, es wäre toll, wenn meine Leserzahlen exponentiell steigen – tun sie nicht.
Ja, es wäre schön, wenn unter jedem meiner Beiträge diskutiert und ausgetauscht wird – passiert nicht.
Ja, es wäre grossartig, wenn mein Blog breit geteilt würde – wird er nicht.

Aber welche Zahl zählt wirklich? Seitenaufrufe, Anzahl Kommentare, Pingbacks oder Verweildauer? Nein. Was für mich zählt, sind diejenigen Menschen, die sich von meinen Beiträgen ermutigen, bewegen oder inspirieren lassen. Kaum messbar. Die einzige Möglichkeit, das vielleicht zu erahnen, sind persönliche Rückmeldungen unter dem Jahr. Und da sticht für mich ein Beitrag vom letzten Jahr heraus, in dem es darum ging, wie unsicher ich mich plötzlich durch das Verhalten einer anderen Person fühlte. Da wurde mir zum Beispiel gesagt:

«Mutig. Danke, dass du das teilst.»
«Ich erlebe das auch so.»
«Verstehe dich und unterstütze deinen gewählten Weg.»
«Kenne ich, das ist ’normal'»

Jede einzelne Rückmeldung ist ein Schatz und macht mich dankbar, da sie mir zeigt: Ich bin nicht alleine. Und meine Offenheit, auch über Dinge zu sprechen, die mir potenziell als ’schwach‘ ausgelegt werden können, führt dazu, dass sich auch andere gesehen und nicht mehr alleine fühlen.

Ich, wir, gleichen meiner Meinung nach zu oft einem Schweizer Einfamilienhaus mit einer perfekten Fassade. Was drinnen passiert, das echte Leben, erhascht man maximal durch einen Blick in eines der Fenster. Und dieses echte Leben ist garantiert nicht so perfekt, wie es von aussen den Anschein macht.

Das wurde mir konkret bewusst während der Jahre, in der ich eine Trennung von meiner Frau erlebt habe. Davor sprach ich nur positiv von meiner ‚perfekten‘ Familie. Drei Kinder, Frau, Haus. Alles sah von aussen und auch in meinen Erzählungen gut und glücklich aus. Schwierige Dinge habe ich ausgelassen. Den Schein gewahrt. Mit der Trennung wurde es jedoch irgendwann unvermeidlich, meine Schwäche, meine Emotionen und mein Scheitern aus dem Sack zu lassen. Das Resultat? Echte Begegnungen. Ich war plötzlich nicht mehr unnahbar ‚perfekt‘, sondern echt. Und dadurch hatte auch mein Gegenüber vermehrt den Mut, sich selber zu öffnen: «Bei uns ist es auch schwierig», «Kommunizieren ist für meine Frau und mich eine Herausforderung», «Bin ein Scheidungskind». Daraus entstanden oft tiefe Gespräche, es wurde Beziehung gebaut. So Viel wertvoller als die perfekte Fassade.

Und genau deshalb schreibe ich überzeugt diesen Blog. Weil ich möchte, dass er mein echtes Arbeits- und Gefühlsleben mit Höhen und Tiefen teilt. Weil ich damit Menschen ermutigen und ihnen zeigen möchte: du bist nicht alleine in all deinen Herausforderungen.

  • Michael Lutz

    IT Projektleiter bei der isolutions AG. Begeistert von Menschen und Technik.


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Kommentare

  • Marc
    Marc

    Marc

    Wow! Einmal mehr ein super Beitrag. Danke für diese echten Einblicke! Weiter so!