«Du hast ein Problem»
«Ich habe ein Problem»
«Wir haben ein Problem»
Welcher Satz löst bei dir welche Emotionen aus? Höre ich Ersteren, fühle ich mich unter Druck gesetzt. Ich fühle mich konfrontiert und gleichzeitig auch alleine gelassen, mit eben diesem Problem. Beim zweiten Satz ist der Druck auch da. Ich gestehe mir ein, dass ich ein Problem habe und fühle mich alleine damit. Der dritte Satz? Er erkennt die Tatsache zwar an, aber entlastet zugleich, weil er das Problem auf mehrere Schultern verteilt. Und was man gemeinsam trägt, ist für alle leichter.
Ich wurde kürzlich als neuer Projektleiter in ein Projekt involviert, das zuvor schon einige Monate gelaufen ist. Schief gelaufen ist. All die Probleme, die jetzt da sind? Nicht selbst verschuldet. Aber nun stehe ich da, als Projektleiter und soll diese Probleme lösen. Ich? Nein, eben nicht: wir! Mein neues Projektteam und ich. Mir wurde durch diese herausfordernde Situation wieder so richtig bewusst, wie wichtig Kommunikation und die bewusste Wahl der Personalpronomen ist.
Nach der Projektübernahme wurde mir von allen Seiten erzählt, was in der Vergangenheit nicht gut gelaufen ist, was für Erwartungen da sind, was hätte anders gemacht werden müssen. Und es wäre einfach gewesen zu sagen: «Kollege A hat einen Fehler gemacht, darum haben wir X nicht erreicht». Oder «Weil Kollege B, Aufgabe Y nicht gemacht hat, haben wir dieses Problem». Was hätte ich damit erreicht? Nichts. Allenfalls wäre der Kunde zufrieden gewesen, da er ja jetzt einen Projektleiter hat, der Fehler sieht und benennt. Aber ich wäre damit meinem Team in den Rücken gefallen. Ja, ich bin nicht schuld an den Problemen der Vergangenheit, aber ich bin per sofort Teil vom Team und damit der Lösung.
Entsprechend habe ich bewusst gegenüber dem Kunden in der «Wir»-Form kommuniziert: «Wir haben Fehler gemacht, es tut mir leid», oder «Das ist nicht gut gelaufen, wir planen in Zukunft anders». Damit stärke ich meinem Team den Rücken. Übernehme Verantwortung und sage: Ich trage mit, was da ist. Wir kommen gemeinsam da wieder raus und ich trage meinen Teil dazu bei.
Auch ich bin nur Mensch und neige dazu, selbst gut dastehen zu wollen. Und so passiert es mir immer wieder, dass anstelle des «wir» halt doch ein «ihr» raus rutscht. Und ich dann zum Beispiel frage: «Schafft ihr die geplanten Arbeiten bis zum Sprint-Ende in zwei Wochen?». Damit distanziere ich mich. Vom zukünftigen Resultat, von meinem Team. Vielleicht bin ich tatsächlich nicht direkt an den geplanten Arbeiten beteiligt. Aber ich bin trotzdem als Projektleiter verantwortlich, Teil vom Team. Und ich trage immer indirekt mit meiner Präsenz, Kommunikation und meiner Haltung zur Stimmung bei und damit auch dazu, in welcher Atmosphäre Arbeiten stattfinden können.
Ein Projekt braucht Menschen. Menschen brauchen einander. Und ich sehe meine Rolle als Projektleiter darin, durch meine Führung Menschen zu befähigen, gemeinsam, als Team, sich wohl zu fühlen, Spass zu haben und erfolgreich zu sein.
Wie oft und in welchen Situationen verwendest du «wir»?
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