Ein internes Steering Meeting steht an, mein Kollege am Tisch nebenan meinte noch kurz davor: «Das sind die schlimmsten Meetings, da nimmt niemand ein Blatt vor den Mund». Ich nahm es zur Kenntnis, dachte, so schlimm kanns ja wohl nicht werden – und wurde eines Besseren belehrt. Dreissig Minuten später war mein Selbstbewusstsein erschüttert, ich konnte kaum mehr klar denken und habe mein Handeln, wie mich als Person, hinterfragt. Was ist passiert? Ja, das besprochene Projekt war in Schieflage, schon länger, die Stimmung entsprechend angespannt – aber was führte dazu, dass ich mich, als ‚gestandenen‘, selbstbewussten Projektleiter, nach wenigen Minuten wie ein begossener Pudel fühle?
Mir wurde bewusst: Nicht was gesagt wurde, hat mich erschüttert, sondern wie es gesagt wurde – der Ton! Nicht der Inhalt, also die Ablehnung meines Vorschlags, war das Problem. Auch nicht der Eindruck eines Teilnehmers, dass ich als Projektleiter keine Sicherheit ausstrahle. Nein, Ursache war, wie all das gesagt wurde, also die Art und Weise der Kommunikation, der Ton, die Wortwahl, der Ausdruck und dabei…
… die an mich herangetragene Erwartungshaltung, der aufgebaute Druck – ohne dabei die Vergangenheit, mich und meinen steilen, intensiven Einstieg ins Projekt erst vor wenigen Tagen zu würdigen.
… die direkten, lauten, energischen Aussagen, ja Du-Botschaften wie «du musst», «du bist nicht», die gefühlt ohne viel Rücksicht auf das persönliche Befinden und mit wenig Empathie formuliert wurden.
… ein gefühlt unnahbares, strenges Gegenüber mit wenig Ausdruck, kein auflockerndes Lächeln dazwischen, kombiniert mit Kritik und nicht mit Wertschätzung.
All dies kam unvorbereitet, hat mich überrascht und hat es geschafft, dass ich nach dreissig Minuten mich als Person, meine Fähigkeiten, ja sogar meinen Platz im Unternehmen begonnen habe zu hinterfragen.
Das hat mich schockiert. Und mir bewusst gemacht, wie relevant und wichtig es ist, mit welcher Haltung und in welchem Ton ich in meinem Alltag kommuniziere. Nämlich immer mit Kindness, also mit Herzlichkeit, Freundlichkeit und Mitgefühl. Ich bin überzeugt davon, dass auch Kritik, ja Ärger eben ‚kind‘ ausgedrückt werden kann, so dass der Ton mein Gegenüber unterstützt, den Inhalt anzunehmen. Und verhindert, dass das Gegenüber von meinen Worten getroffen wird, in alte Verhaltensmuster fällt und sich in sein Schneckenhaus zurückzieht. Der Ton macht die Musik! Und wo Musik ist, da ist Freude, Leben, Ausdruck.
Ich habe übrigens meinen Mut zusammengenommen, den ‚harschen‘ Kollegen von oben angesprochen und ihm Feedback gegeben. Die Klärung und das daraus entstandene Gespräch half mir, die Angelegenheit einzuordnen. Das nächste Steering war gelöster, der Ton angenehmer und rücksichtsvoller. Ich bin dankbar, eine Arbeitskultur zu erleben, in der es möglich ist, auf allen Ebenen Feedback zu geben und dabei immer Menschen anzutreffen, die bereit sind, es auch anzunehmen und an sich zu arbeiten.
Hast du auch schon den Ton in einem Gespräch als unangebracht empfunden und was hat das mit dir gemacht?
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