Szenenwechsel: 20 Jahre zurück, frisch aus der Hochschule, erste Stelle als Softwareentwickler, arbeiten direkt im Büro des Kunden, an einer Software, die Ende nächster Woche fertig sein muss. Die Zeit scheint viel zu knapp im Vergleich zur Arbeit, die noch ansteht. Ich bin gestresst und fühle mich unter Druck. Erwartungsdruck, Zeitdruck. Und dann der Moment, meine beiden erfahrenen Entwickler Kollegen stehen auf und sagen: «Komm, wir machen eine Pause». Meine erste Reaktion innerlich: «Geht’s noch?!». Meine Antwort ist dann aber sachlicher: «Nein, tut mir leid, ich habe keine Zeit». Worauf sie meinten: «Michael, das musst du noch lernen, auf diese 5 Minuten kommt es jetzt auch nicht mehr an».
Bin dann widerwillig mitgegangen – aber der Satz blieb mir bis heute im Ohr. Es braucht Mut, angesichts von Druck dem Impuls ‚Wir haben keine Zeit‘ nicht nachzugeben, sondern aus vergangenen Erfahrungen heraus bestimmt zu sagen: Doch, Pausen machen Sinn, wir nehmen sie uns bewusst. Denn Pausen verzögern vielleicht kurzfristig, aber beschleunigen danach nachhaltig und langfristig.
Pausen ermöglichen, neue Energie zu schöpfen, wodurch die nachfolgende Zeit um ein Vielfaches produktiver wird. Die zur Verfügung stehende Zeit ermöglicht es, den Kopf zu leeren, vielleicht auch kurz das Handy, die E-Mails zu checken, ein Telefon zu machen, eine Todo-Liste nachzuführen, aufs WC zu gehen, etwas zu trinken. Für sich zu schauen. Das alles fördert die anschliessende Präsenz, welche für Resultate in Projekt oder Meeting essentiell wichtig ist.
Pausen geben Raum und erlauben es, den Fokus für einmal nicht auf das eigentliche Projekt- oder Meetingziel legen zu müssen. Abstand zu gewinnen. Sie ermöglichen informelles Zusammentreffen, Begegnungen mit Menschen, geben Einblick in Meinungen und Ansichten, die für den zukünftigen Verlauf von Projekt und Meeting entscheidend sein können. Oft schon habe ich erlebt, dass wichtige Entscheide nicht in einem Meeting, sondern eben in einer Pause besprochen und gefällt wurden.
Pausen tragen positiv zur Effektivität und Effizienz bei. Und werden vermutlich deshalb auch selten negativ aufgefasst und von Kunden, Arbeitgeber zugelassen, die ja durchaus sagen könnten: «Ich bezahle euch für Arbeit, nicht für Pausen». Auch Feedbacks aus vergangenen Retrospektiven zeigen eindeutig: Pausen werden von jedem geschätzt und sind erwünscht.
Wann nimmst du dir Zeit für die nächste Pause?
Kommentare