Wie geht es dir?

Sie kommt immer mal wieder, diese Frage: Wie geht es dir? Eigentlich in Dauerschleife. Vor Meetings, an der Kaffeemaschine, in Calls. Die Frage scheint banal, einfach zu beantworten: nämlich mit ‚gut‘. Aber genau hier beginnt für mich oft der Konflikt. Ich bin nämlich ehrlich, antworte nur mit ‚gut‘, wenn es mir auch wirklich gut geht. Aber was, wenn nicht? Da beginnt für mich oft das Dilemma.

Im Umgang mit dieser Frage unterscheide ich vier Varianten:

VarianteWie es mir gehtIch möchte mich mitteilen
1gutja
2gutnein
3schlechtja
4schlechtnein

Variante eins mag ich am liebsten. Es geht mir gut, ich habe ein Gegenüber, dem ich mich mitteilen möchte und nutze die Chance auf ein Gespräch noch so gerne! Aber was, wenn ich z.B. trotz guter Stimmung keine Lust auf Smalltalk habe, keine Zeit oder Energie?

Dann bin ich bei Variante zwei. Und wähle die kürzeste mögliche Antwort: ‚gut‘. Was ich damit aber eigentlich sage ist: «Ich möchte gerade nicht reden.». Und genau so wird die Antwort auch oft vom Gegenüber ausgelegt und es wird nicht nachgefragt, das Gespräch ist sozusagen damit gestorben, man geht zum nächsten Punkt über. Aber was, wenn es mir einmal nicht gut geht?

Dann kommt Variante drei zum Zug. Etwas schlägt auf meine Stimmung und ich habe ein Gegenüber, mit dem ich das grundsätzlich teilen möchte. Dann kann ich ehrlich antworten mit einem ‚ging schon besser‘, ‚es geht‘, oder sogar mit ’nicht gut grad‘. All diese Sätze öffnen meinem Gegenüber die Türe, nachzufragen. Was ja oft dann genau auch passiert. Und abhängig von der Beziehung, die ich zur Person habe, kann ich dann entscheiden, wie oberflächlich oder tief ich mich mitteile. Aber was, wenn ich nichts sagen will oder kann?

Dann wird es für mich unglaublich schwer und ich bin bei Variante vier, im Dilemma. Es geht mir nicht gut, ich kann also nicht ohne zu lügen mit gut antworten, um das Gespräch zu beenden. Gleichzeitig möchte ich auch vermeiden zu sagen, dass es mir nicht gut geht. Denn da ist die Angst, dass wenn ich das tun würde, es ein potentieller Türöffner ist und mein Gegenüber dann einhakt und nachfragt. Und ehrlich: Oft weiss ich nicht, wie man mit dieser Situation gut umgehen kann.

Ich kann lügen, mit ‚gut‘ antworten und diplomatisch zum nächsten Thema übergeben. Wäre das einfachste. Fühlt sich aber nicht gut an.

Ich kann ausweichen mit Sätzen wie «es passt schon» oder «ich komme klar», aber ein aufmerksames Gegenüber hält das nicht davon ab, weiter nachzufragen.

Ich kann im Ansatz ehrlich sein und antworten mit ‚es geht‘, dann aber bei der Nachfrage nicht den eigentlichen Grund, sondern irgendeinen banalen Grund nennen wie ‚Zug heute ist ausgefallen‘ oder das eigentliche Problem nur vage umschreiben. Fühlt sich irgendwie nicht gut an, wenn auch nicht offensichtlich gelogen.

Ich kann mich zurückziehen und Situationen vermeiden, in denen ich potenziell diese Frage gestellt erhalte. Offen gesagt, gerade bei grösseren persönlichen Herausforderungen, habe ich diese Strategie auch schon angewandt, indem ich zum Beispiel Mittagessen im Büro vermieden habe, oder bewusst nicht an die Kaffeemaschine gegangen bin aus Angst, dort jemanden zu treffen der dann vermutlich diese sich gerade schrecklich anfühlende Frage «Wie geht es dir» stellen könnte.

Vermutlich ist aber das Beste, was ich machen kann, einfach ehrlich zu sagen: «Es geht mir nicht gut, aber ich möchte gerade nicht darüber sprechen». So weiss mein Gegenüber woran er ist und ich bin ehrlich, setze Grenzen. Ich wähle diesen Weg noch viel zu wenig.

Nur weil ich im Moment nicht sprechen will, heisst das aber nicht, dass ich gar nie sprechen sollte. Das ist meine grosse persönliche Herausforderung in solchen Situationen: Hilfe und Unterstützung anfragen und auch annehmen.

Wie antwortest du in einer schwierigen Lebenslage auf die Frage «Wie geht es dir?»?

  • Michael Lutz

    IT Projektleiter bei der isolutions AG. Begeistert von Menschen und Technik.


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